Nordbahnviertel Wien

Klimafit bauen, nachhaltig wohnen – mit Beton

Projekt: Wohnhochhaus „Schneewittschen“ und angrenzender „Loft-Flügel“, Nordbhnviertel, Wien (Österreich)


Bauherr: WINO GmbH, vertreten durch Erste gemeinnützige Wohnungsgesellschaft mbH (EWG)


Architektur: Bevk Perovi´c Arhiekti (Schneewitchen), StudioVlayStreeruwitz ZT GmbH (Loft-Flügel)


Betonfertigteile: Leier Baustoffe GmbH & Co. KG und Oberndorfer GmbH & Co. KG


Fertigstellung: Ende 2024

Österreich braucht leistbaren Wohnraum. Allein in Wien wird die Bevölkerung bis 2040 auf 2,2 Mio. Menschen wachsen. Laut Schätzungen großer Immobiliengesellschaften ergibt sich daraus in den nächsten 14 Jahren allein in der Bundeshauptstadt ein Bedarf von bis zu 100.000 neuen Wohnungen. Projekte im Wiener Nordbahnviertel zeigen, wie vorgefertigte Betonerzeugnisse und Stahlbetonfertigteile helfen können, diesen Bedarf flächensparend und energieeffizient zu decken.
Auf dem Gelände des ehemaligen Nordbahnhofs in Wien entsteht seit Jahren ein neuer Stadtteil mit modernen Wohnungen, Parks, Schulen und Infrastruktur. Mit rund 85 ha zählt das Areal zu den größten innerstädtischen Entwicklungsgebieten Wiens. Bis 2030 werden hier rund 20.000 Menschen leben. Gebäude und Freiräume verbinden ökologische, soziale und technische Anforderungen und setzen dafür auf den Baustoff Beton und Stahlbetonfertigteile. Preisgekrönte Beispiele sind das Hochhaus „Schneewittchen“ mit dem benachbarten „Loft-Flügel“ und das Wohnensemble Nordbahnhof III.
Neben neuem Wohnraum entsteht im Nordbahnviertel auch eine rund 10 ha große Natur- und Erholungsfläche, die „Freie Mitte“. Die artenreiche Stadtwildnis bildet eine zentrale Grünfläche und wird durch begrünte Wege und Plätze ergänzt. Dabei kommt Beton unter anderem als Wasserspeicher sowie für barrierefreie Möblierung zum Einsatz. Ein Beispiel ist die Bruno-Marek-Allee, ein rund 500 m langer „Klima-Boulevard“. Breite Gehwege, zahlreiche Bäume und Pflastersteine mit hellen Belägen verbessern das Mikroklima und geben Fußgänger:innen und Radfahr:innen Vorrang, während der Autoverkehr reduziert wird.

Hohe Wohnqualität bei niedrigem Energiebedarf

Das Hochhaus „Schneewittchen“ bildet einen markanten Punkt im Quartier. Mit rund 100 m Höhe und 295 Wohneinheiten ist es derzeit Wiens höchstes Mietwohngebäude. Der benachbarte „Loft-Flügel“ ergänzt das Ensemble um weitere 32 Wohneinheiten, während die Sockelzone vielfältige Nutzungen aufnimmt und sich zum öffentlichen Raum öffnet. Beim Bau spielte Beton eine zentrale Rolle: Durch den Einsatz von vorgefertigten Betonelementen, darunter horizontale Deckenscheiben, tragende Wandscheiben und Stiegenhauselemente, wurden Bauzeit und Baustellenverkehr entscheidend verkürzt. Der Baustoff Beton ermöglichte zudem eine kompakte Bauweise in Höhe und Tiefe und einen energieeffizienten Gebäudebetrieb.

Thermisch aktivierte Geschoßdecken dienen als Heiz- und Kühlsystem und sorgen für gleichmäßigen Wohnkomfort. Ein System, das bei mehreren Gebäuden im Nordbahnviertel zum Einsatz kommt: Elementdecken mit integrierter Verrohrung für die Bauteilaktivierung sind, vor allem im geförderten Wohnbau in Wien, mittlerweile Standard. Die Energieversorgung im Hochhaus „Schneewittchen“ und im „Loft-Flügel“ erfolgt über das städtische Fernwärme- und Fernkältenetz. Die niedrige Vorlauftemperatur von rund 38 °C für die Bauteilaktivierung reduziert den Energiebedarf. Der jährliche Heizenergiebedarf der Anlage liegt laut Projektverantwortlichen bei rund 1.360 MWh. Mit ein Grund, warum das Ensemble aus „Schneewittchen“ und „Loft-Flügel“ 2025 mit dem Bauherr:innenpreis der Zentralvereinigung der Architekt:innen Österreichs ausgezeichnet wurde, einem bedeutenden Architekturpreis für Projekte mit hoher baukultureller Qualität.

Viel Grün mitten in der Stadt

Auch die Wohnanlage Nordbahnhof III verbindet hohen Wohnkomfort mit klimafitter Gestaltung. Neben Bauteilaktivierung setzt das Projekt auf großzügige Außenräume. Das Konzept „Freiraum auf Wohnungsebene“ verbindet Gebäude und Landschaft durch urbane Terrassen. Diese begrünten Ebenen kombinieren Wohnen, Gewerbe und soziale Infrastruktur und schaffen einen Übergang zwischen Gebäude und Stadtraum.

Helle Betonpflastersteine und versickerungsfähige Beläge speichern Regenwasser nach dem Schwammstadt-Prinzip lokal und reduzieren Versiegelung. In Kombination mit neu gepflanzten Bäumen kann die wahrgenommene Temperatur an heißen Tagen gegenüber vollständig versiegelten Flächen um bis zu 14 °C sinken. Die Wohnanlage Nordbahnhof III wurde für ihr Freiraumkonzept mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Greenpass-Zertifikat in Gold.

Betonfertigteile als Fundament für nachhaltiges Wohnen

Das Nordbahnviertel zeigt, wie sich mit Betonfertigteilen, moderner Gebäudetechnik und großzügigen Grünräumen nachhaltige Wohnqualität in der Stadt umsetzen lässt. Architektur, Energieeffizienz und Freiraumgestaltung greifen ineinander und bilden die Grundlage für ein zukunftsfähiges Stadtquartier.

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